Lesung vom 06.10.2015 mit Dr. Bärbel Kofler, MdB

Zwei ihrer Lieblingsbücher hatte Bärbel Kofler, MdB, zur Lesereihe ‚Gute Worte‘ des SPD-Ortsvereins Feldkirchen-Westerham im Gepäck: den Justizroman des Münchner Schriftstellers Lion Feuchtwanger „Erfolg: Drei Jahre Geschichte einer Provinz“ aus dem Jahre 1930 sowie den aktuellen Roman der französischen Schriftstellerin Anna Sam: „Die Leiden einer jungen Kassiererin“. Feuchtwanger zeichnet in seinem Roman das Land Bayern der Jahre 1921-1924 nach. Er setzt sich kritisch mit der bayerischen Politik und Mentalität sowie mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten in München auseinander. In der von Kofler vorgelesenen Passagen wird der Zuhörer stark an das Heute erinnert. Man könnte meinen, die Zeit sei ca. 100 Jahre stillgestanden.
Für jeden nachvollziehbar sind auch die Leiden einer jungen Kassiererin. Gestartet als Studentin, gestrandet als Kassiererin muss Sie sich mit den von Anna Sam fabelhaft beschriebenen unterschiedlichen Kundentypen – man sieht sie bildlich vor sich stehen – auseinandersetzten. Sie muss Beleidigungen über sich ergehen lassen, Meckereien ertragen und dennoch 500 mal am Tag ‚Danke für ihren Einkauf‘ im immer selben freundlichen Ton sagen. Der Zuhörer leidet förmlich mit der jungen Kassiererin.
Naturgemäß stand in der anschließenden Diskussion über aktuelle Themen neben der Frage von Moral und Ethik in deutschen Großkonzernen (Stichwort VW) vor allen die aktuelle Flüchtlingssituation im Mittelpunkt. Bärbel Kofler zeigte die Vielschichtigkeit des Problems aus „Berliner Sicht“ auf, seien es die außen-/geopolitisch und sicherheitsrelevanten Aspekte mit dem Ziel einer langfristigen Stabilisierung im Nahen Osten, der Nichtwahrnehmung der Verantwortung der Amerikaner und der Golfstaaten für diese Region sowie das Chaos innerhalb der EU. Deutlich Stellung bezog sie auch zu den anstehenden Aufgaben bei Bund, Länder und Kommunen: die Finanzierbarkeit (der Bund stellt 5 Milliarden bereit, die aber auch abgerufen und bei den Kommunen ankommen müssen), die dringenden Investitionen in den sozialen Wohnungsbau, die gesetzliche Vereinfachung Flüchtlinge schneller in Arbeit zu bringen, die Notwendigkeit durch Aufklärung eine Neiddebatte (Für Flüchtlinge wird alles getan) zu vermeiden. In diesem Zusammenhang wies der SPD-Fraktionssprecher, Heinz Oesterle, auf die aktuelle Situation vor Ort hin. Nach seinem Kenntnisstand ist es sehr fraglich. ob sich das Landratsamt RO sowie der Inhaber der Tennishalle in Westerham/Feldolling auf einen Vertrag für die Nutzung der Tennishalle als mögliche Asylunterkunft einigen können. Erschwerend käme hinzu, dass die Anwohner zwischenzeitlich eine Rechtsanwaltkanzlei eingeschaltet haben. Der SPD-Ortsverein sieht es mit großer Sorge und fragt sich, ob es seitens des Landratsamtes (in Zusammenarbeit mit der Gemeinde) einen Plan B gibt. Alle mündlichen und schriftlichen Aussagen lassen darauf schließen, dass dies nach heutigem Stand nicht der Fall ist. Thomas Bode, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins und Organi¬sator der Lesereihe, stellte bei seinen ab-schließenden Dankeswor¬ten heraus, dass nicht nur die Auswahl der Textpassagen der beiden Bücher die Neugierde geweckt hat sondern dass er die intensive, von Sachkenntnis geprägte wenngleich durchaus emotionale Diskussion als sehr wohltuend empfunden hat.

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